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Christlicher-fundamentalistischer Abtreibungsgegner an der Uni Passau

***Christlicher-fundamentalistischer Abtreibungsgegner an der Uni Passau***

Heute Abend findet um 18 Uhr im Hörsaal 7 eine von ELSA organisierte Podiumsdiskussion zum Thema Schwangerschaftsabbrüche statt. Eingeladen wurde unter Anderem der christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegner Kristijan Aufiero, Vorstandsvorsitzender der „Lebensschutz“-Organisationen „Pro Femina e.V.“ und „Birke e.V.“, sowie Leiter des von den genannten Organisationen sowie der „Stiftung Ja zum Leben“ ins Leben gerufenen Projektes „1000plus“1

Da sogenannte „Lebensschützer*innen“ sich zu Recht mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, Frauen*feindlich zu sein, versucht Aufiero im Rahmen seiner „Lebensschutz“-Organisationen und Projekten „Frauen als Opfer von Abtreibungen“ zu inszenieren. Angeblich im Namen der Selbstbestimmung von Frauen hetzt dieser gegen Abtreibung:

 

„Kristijan Aufiero fordert als einer der Hauptredner auf dem zweiten One of Us-Forum in Budapest ein Umdenken im Einsatz für das Leben. ‚Pro life’ zu sein bedeutet, an der Seite der Frau zu stehen!“2


Ein Paradigma [Das „Abtreibungsparadigma“], das uns weismachen will, dass Abtreibung ein Ausdruck von Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit sei.“ 3


„[..] dass das Massenphänomen der Abtreibung in Wirklichkeit ein Phänomen der massenhaft unterlassenen Hilfeleistung gegenüber Frauen in Not ist“ 4

„Hilfe Statt Abtreibung“5

Genau das soll das  Projekt „1000plus“ umsetzen und dementsprechend Frauen dazu bewegen, nicht abzutreiben:

„„1000plus“ heißt unser Projekt, weil wir für 1000 und mehr ungewollt schwangere Frauen jedes Jahr die Information, Beratung und Hilfe ermöglichen wollen, die sie brauchen, um sich für ein Leben mit ihrem Baby entscheiden zu können.“ 6

„Durch das Angebot objektiver Information, bestmöglicher Beratung und konkreter Hilfe sollen Entscheidungen für das Leben ermöglicht werden: Weil jeder fehlt, der nicht geboren wird!“

 

Die Rede ist hier von Hilfe und Unterstützung und „neutraler“ Beratung während der Schwangerschaft, die am Wohle der Schwangeren orientiert sei und dennoch vermittelt, dass eine Abtreibung in jedem Fall der falsche Weg sei und unter keinen Umständen gerechtfertigt sei.8 Wie das mit Selbstbestimmung zusammen gehen soll, ist mehr als fraglich. Auch die Schwangerschaftsberatungen von Pro Femina sind alles andere als „neutral“, sondern hindern Frauen aktiv daran, abzutreiben.9

 

Die Forderung nach Selbstbestimmung der Frauen* wird also komplett umgekehrt und instrumentalisiert um Abtreibungen zu de-legitimieren, angeblich sei allein der gesellschaftliche Druck der Grund, warum Frauen* sich für eine Abtreibung entscheiden. Dass es vollkommen individuelle und unterschiedliche Gründe für eine Abtreibung geben kann oder Frauen* tatsächlich von sich aus abtreiben wollen und darin kein Problem sehen, kommt für sie nicht infrage, sie ignorieren damit die persönlichen Erfahrungen vieler Frauen* und sprechen ihnen jegliche Selbstbestimmung ab. Argumentiert wird außerdem mit der erfundenen Krankheit „Post-Abortion-Syndrom“(PAS), Abtreibung soll  also die Ursache für Depressionen und sogar Suizid sein. Dass diese Krankheit laut seriöser Organisationen nicht existiert, interessiert sie nicht. 10

 

Außerdem fiel Aufiero in der Vergangenheit durch homophobe Äußerungen, sowie seine Abneigung gegen den Feminismus (Er spricht vom „Genderismus“, ein von Rechten benutzter Kampfbegriff gegen den Feminismus) 11 auf und beteuerte, eine Vergewaltigung sei nicht Grund genug für eine Abtreibung: „Vergewaltigung spielt als Ursache für Abtreibung de facto keine Rolle. Vergewaltigung hat mit Abtreibung nichts zu tun, diesen Satz können Sie unterschreiben.“ 12 . Dass er sich von der Rechten Zeitung „Junge Freiheit“ interviewen lässt, macht zudem deutlich, dass er kein Problem damit hat, mit Rechten in Verbindung gebracht zu werden.13

 

2008 hat Aufiero zusammen mit seinem Kollegen Arnold von „Die Birke e.V.“ im Rahmen des „Christival“s in Bremen das Seminar „Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?“ angeboten. 14 Dieses war schon im Vorfeld von Gegenprotesten begleitet, u.A. weil der Verein „Die Birke“ die These vertritt „eine Vergewaltigung würde von einer Frau besser verkraftet, als die Abtreibung eines Kindes, das während der Vergewaltigung gezeugt wurde“15

Auf besagtem „Christival“ in Bremen wichen sie Fragen von Männern zum Thema Abtreibung nach Vergewaltigungen aus und verboten diese schließlich. Auf die Frage, wie man sich im Falle einer Gefährdung der Gesundheit der Frau(*) durch eine Schwangerschaft verhalten solle, folgte eine abweisende Reaktion von Seiten Aufieros mit der Begründung, ein solcher Fall sei konstruiert und hypothetisch“16

Derartige Behauptungen sind nicht nur äußerst unsensibel und respektlos gegenüber Menschen, die in ihrem Leben bereits eine Vergewaltigung o.Ä. erfahren mussten, sondern insgesamt wahnsinnig einseitig und dreist. Eine Abtreibung ist schließlich eine (weitestgehend) bewusste und aktive Entscheidung – Eine Vergewaltigung definitiv nicht!

 

Die zuvor genannten Aussagen Aufieros sind ein Angriff auf die körperliche und reproduktive Selbstbestimmung und stehen einer Emanzipation von Frauen* diametral entgegen! Wir finden es erschreckend, dass die Uni Passau derartigen Inhalten eine Bühne bietet!

Daher fordern wir alle auf, zahlreich zur Podiumsdiskussion zu erscheinen und den Veranstaltern wie auch den Diskutierenden zu zeigen, dass Hetze von selbsternannten „Lebenschützer*innen“ keinen Platz an der Universität Passau hat!

 

LUKS Passau

 

Quellen:

10 Kirsten Achtelik, Eike Sanders, Ulli Jentsch Kulturkampf und Gewissen Medizinethische Strategien der „Lebensschutz“-Bewegung Verbrecher Verlag, Berlin 2018 S.59f.

12 Quelle mit weiteren erschreckenden Zitaten: https://de.indymedia.org/2013/04/343684.shtml – die Original-Rede wurde aus dem Netz genommen