“It´s the pandemic, Stupid! Fetisch, Krisenbewusstsein und die Kritik der politischen Ökonomie in Zeiten der Pandemie.” – Ein Vortrag von Daniel Poensgen

Date: 1. February 2021

Time: 20 - 22 Uhr

Location: Online

Gesellschaftskritk BUT MAKE IT PANDEMIC!

Das Covid-19 Virus, seine Verbreitung und Auswirkungen sind vom gesellschaftlichen Umgang mit der Pandemie nicht zu trennen. Als gesellschaftliche Krise rückte die Pandemie auch jenseits konkreter Krankheitserfahrungen ins Bewusstsein der Menschen, und schnell ließen sich im Frühjahr 2020 unterschiedliche Formen des Krisenbewusstseins in Deutschland identifizieren: Was die mobilisierten Staatsbürger, die Souveränisten, all jene, die den Ausnahmezustand herbeireden, die Technokraten und die konformistischen Rebellen jedoch eint, ist ihre Unfähigkeit das Verhältnis von Natur und gesellschaftlicher zweiter Natur zu reflektieren. Die Pandemie erscheint ihnen wahlweise als rein gesellschaftliches oder als lediglich medizinisches Problem. Zugleich rückt der Umgang mit dem Corona-Virus den Staatsbürgern schmerzhaft in Erinnerung, was sie sonst erfolgreich verdrängen: das (gewaltvolle) Potential des Staates. Denn Lockdown-Bestimmungen, aber auch Kurzarbeitergeld und Investitionen in Lufthansa und Co machen mit einem Schlag deutlich, wozu dieser eigentlich in der Lage ist.

Auch wenn sich ein knappes Jahr nach Ausbruch der Pandemie Enttäuschung über den eigenen Souverän breit macht, dem angesichts eines ‚ruckelnden‘ Starts der Impfkampagne gleich „Staatsversagen“ vorgeworfen wird, sind die meisten Deutsch doch recht gleichgültig-versöhnt mit Maskenpflicht, knappen Intensivbetten und dem Lockdown der Freizeiteinrichtungen. Diese gegenwärtige Dynamik wäre auf den Begriff zu bringen, indem die idealen Typen deutschen Krisenbewusstseins zu Zeiten der Pandemie in Konstellation zueinander gebracht und mit polit-ökonomischen Entwicklungen konfrontiert werden, die sich beispielsweise aus Deutschlands Lage auf dem Weltmarkt ergeben. Eine so formulierte Kritik zeigt, dass es auch in Anbetracht des Umgangs mit dem Corona-Virus weder Anlass für eine Verteufelung staatlicher Politik zum Ausnahmezustand, noch zu einer Euphorie angesichts neuer Handlungsspielräume oder des vermeintlich humanen Agierens des Staates gibt.

Daniel Poensgen promoviert zum Verhältnis von Staatsverständnis und Antisemitismus und ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift Pólemos. Der Vortrag greift seinen Text „It’s The Pandemic, Stupid“ auf, der im Mai 2019 auf dem Blog der Zeitschrift erschienen ist: https://kritischetheorie.wordpress.com/2020/05/13/its-the-pandemic-stupid/ .

Der Vortrag findet online statt. Ihr braucht weder ein Passwort noch eine spezifische Anwendung um der Konferenz beizutreten.


Dieser Vortrag wird unterstützt von der Petra-Kelly-Stiftung. Mehr Informationen zur Stiftung findet ihr auf ihrer Website oder auf ihrer Facebook-Seite.