Lars Rensmann: “Kritische Theorie und autoritärer Populismus: Populismen als Formen der antisemitischen Revolte”

Date: 23. May 2022
Time: 20:00 - 22:00
Location: Hörsaal 4, Philo, Universität Passau
"ohne angst verschieden sein": Vorträge zur Kritischen Theorie & zur Kritik des Antisemitismus | Vortrag

“Lange Zeit galten die Forschungen der ersten Generation der Kritischen Theorie zum Autoritarismus als Problem als theoretisch und empirisch veraltet. Die Renaissance und Neuformierung autoritär-populistischer Bewegungen, Akteure und Parteien, die dezidiert illiberal-autoritär orientierte Populist:innen auch in liberal verfassten Demokratien des 21. Jahrhunderts in Machtpositionen und Regierungsämter geführt hat, hat dies in Teilen verändert. Die Studien der Frankfurter Schule zur politischen Psychologie und Demagogie sowie den gesellschaftlichen Voraussetzungen des Autoritarismus scheinen neue Aktualität bekommen zu haben und finden neue Formen einer kritischen Würdigung im heutigen Zeitalter, das von soziokulturellen Umbrüchen, der Restrukturierung der Öffentlichkeit und neuen autoritäre Herausforderungen im globalen Kontext geprägt ist. Der Vortrag beleuchtet einige Schneisen, welche die Kritische Theorie für politisch-psychologische Forschung zum Autoritarismus geschlagen hat, bewertet ihre Aktualität und ihre Grenzen, und setzt sie in Beziehung zu neueren Forschungen zum autoritären Populismus der Gegenwart.”

Lars Rensmann ist Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Regierungslehre an der Universität Passau. Zuvor war er von 2016-2022 Professor für Europäische Politik und Gesellschaft an der Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande), leitete als Gründungsdirektor das dortige Centre for the Study of Democratic Cultures and Politics und war Geschäftsführender Direktor des Fachbereichs Europäische Sprachen und Kulturen. Bis 2015 war er Professor für Politikwissenschaft und leitete den Fachbereich Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der John Cabot University in Rom. Rensmann lehrte und forschte zudem u.a. an der University of Michigan, der Yale University, der University of California at Berkeley, der Haifa University (Israel), der Universität Wien, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Humboldt Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin. Forschungsschwerpunkte u.a.: vergleichende Politik im globalen Kontext; Demokratie- und Demokratiekrisenforschung; vergleichende Parteien(system)forschung; Rechtspopulismus, Autoritarismus, Rassismus und Antisemitismus in Europa und den USA; internationale politische Theorie und Kritische Theorie; internationale Politik und Sport. Er ist der Autor zahlreicher Veröffentlichungen, u.a. der Bücher The Politics of Unreason: The Frankfurt School and the Origins of Modern Antisemitism (SUNY Press, 2017), Autoritarismus und Demokratie (Wochenschau, mit Steffen Hagemann und Hajo Funke, 2011); Politics and Resentment: Antisemitism and Counter-Cosmopolitanism in the European Union (Brill, hrsg. mit Julius H. Schoeps, 2011), Gaming the World: How Sports are Reshaping Global Politics and Culture (Princeton UP, mit Andrei S. Markovits, 2010), Demokratie und Judenbild: Antisemitismus in der politischen Kultur der Bundesrepublik (VS Verlag, 2005).