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Rückblick: „Verbindungen und Burschenschaften, alles Nazis?“

Nachdem inzwischen einige Wochen ins Land gezogen sind, möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf den Workshop “Burschenschaften und Verbindungen, alles Nazis?” zurückblicken. Außerdem sind wir sehr glücklich euch einige von den Materialien, die dem Workshop zugrunde liegen, zur Verfügung stellen zu können.

Materialien

Wer keinen Platz mehr auf der Teilnehmer*innenliste ergattern konnte, kann sich hier ein bisschen ins Thema einlesen. Diese Materialien helfen nicht, um den Workshop im Nachhinein zu bewerten, bieten aber die Möglichkeit sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Diese Texte wurden nicht von der Liste der unabhängigen kritischen Student*innen geschrieben, teilweise werden also Problematiken angesprochen, die in Passau nicht existent sind. Eine generelle Kritik an Verbindungen kann sich jedoch trotzdem jede*r einzelne mithilfe dieser Materialien bilden. So wie es auch für den Workshop angedacht war.

Reader: “Autoritär, Elitär, Reaktionär”
“Reader gegen studentische Verbindungen” (TU Berlin)
Reader: “Mitbewohner gesucht”

Rückblick

Am Abend des 26.10.2016 veranstalteten wir den Workshop “Verbindungen und Burschenschaften, alles Nazis?”. Wir hatten gehofft mit diesem reißerischen Titel eine Diskussion an der Uni anstoßen zu können und unsere Freund*innen über studentische Verbindungen informieren zu können. Dementsprechend hieß es in der Einladung:

“Der Workshop gibt einen Überblick über verschiedene Verbindungen, ihre Ideologien und Organisationsformen. Differenziert soll herausgefunden werden, wie man Burschenschaften, Verbindungen, Corps, etc kritisieren sollte und wie besser nicht.

Dieser Workshop beschäftigt sich mit den grundlegenden Organisationsarten von Verbindungen und bietet eine Einführung in die kritische Psychoanalyse und wie diese auf Verbindungen anwendbar ist. Der Workshop richtet sich somit an Menschen die sich noch nicht mit Verbindungen beschäftigt haben und oder Schwierigkeiten haben eine fundierte und inhaltlich richtige Kritik zu formulieren. Wir bitten Mitglieder von Verbindungen sich nicht anzumelden, die Diskussion (der wir uns gerne stellen) würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. “

Diese Einladung hatten anscheinend die wenigsten gelesen, die sich in den nächsten Tagen zu Wort meldeten. Sowohl uns als auch die Universität Passau erreichten beleidigende und teils menschenverachtende Briefe, Mails und Facebookkommentare.
Wir sahen uns wegen Kommentaren wie “[Der Workshop] ist wie ein Seminar über Juden im Jahr 1933”1 und anderen faschismus- oder shoahrelativierenden Angriffen gezwungen, die Kommentarfunktion abzuschalten – Auf unseren Seiten ist kein Platz für Antisemitismus!

Am Workshop letztlich nahmen auch einige Burschenschafter teil. Darunter auch ein Mitglied der “Markommania Wien zu Deggendorf” einer im Dachverband “Deutsche Burschenschaft” organisierten rechten Vereinigung. Die “Markomannia Wien zu Deggendorf” bekennt sich zu einem “Deutschen Vaterland”, dessen territoriale Größe an einem völkischen Begriff des “Deutsch Seins” definiert ist2.

Wir sind bestürzt über die fehlende Unterstützung der Universitätsleitung, die uns kurzfristig ein Verbot aussprach uns von diesen demokratiefeindlichen Organisationen abzugrenzen, indem wir ihre Mitglieder von unserer Veranstaltung ausschließen. Eine Möglichkeit die durch das Bayerische Versammlungsgesetz gegeben wird und genau für diesen Zweck vorgesehen ist3. Wir distanzieren uns desweiteren von dem Vorwurf, ein Ausschluss sei in irgendeiner Form diskriminierend. Der Ausschluss von Mitgliedern autoritärer, sexistischer, antifeministischer und teils offen rassistischer oder faschistoider Organisationen hätte ein Schutz für die Teilnehmer*innen und Referent*innen des Workshops sein können und begründet sich nicht im Versuch herrschende Machtstrukturen aufrecht zu erhalten.

Abschließend freuen wir uns, eine Diskussion an der Universität Passau angestoßen zu haben, die offensichtlich schon lange hätte geführt werden sollen. Wir bedanken uns für die vielen positiven Rückmeldungen der Workshopteilnehmer*innen und hoffen, dass die Diskussion über die Gefahr, die von autoriären Männerbünden ausgeht, noch nicht beendet ist.

  1. Screenshot Kommentar [zurück]
  2. Website Markomannia [zurück]
  3. gesetze-bayern.de [zurück]